Aus dem
Burgenländischen Jahrbuch 2003 (Medieninhaber, Herausgeber und
Verleger: Diözese Eisenstadt, Pastoralamt, 7000 Eisenstadt):

Die Gemeinde
Landsee wird urkundlich zum ersten Mal im Jahr 1425 zusammen mit
anderen Gemeinden der Herrschaft Landsee genannt. Es
könnte sein, dass schon vor dem evangelischen Pfarrer
Hartleb (1601) eine katholische Pfarre Landsee existierte. Der
Vorort einer Herrschaft war meist auch eine Pfarre.
Auf Grund der
Visitationberichte aus dem 17. Jahrhundert war Landsee eine
Filiale von Kaisersdorf. Da aber diese Gemeinde und Pfarre erst
von Nikolaus Oláh - Czásczár (Czásczár = Kaiser) gegründet wurde
(um 1570) und erst seit 1579 (der Pfarrer von Kaisersdorf Georg
Radoczi nahm in diesem Jahr an der Diözesansynode in
Steinamanger teil) eine Pfarre war, so könnte Landsee schon
früher eine eigene Pfarre gewesen sein.
Eine Dorfkirche -
dem heiligen Nikolaus geweiht - bestand schon vor dem Jahr 1647
(Visitationsbericht). Sie befand sich offenbar in einem sehr
schlechten Zustand. Denn bei der nächsten Visitation (1651) wird
anstelle der alten Kirche eine "neue St. Nikolaus - Kapelle"
genannt, die genügend Kirchenparamente (Kelch, Monstranz,
Kanzel, drei Messbücher, mehrere Alben u.a.) besitzt. Einige
Jahre später (1663) wird zusätzlich von einem Friedhof berichtet
und von einem Kirchturm, in dem sich allerdings keine
Kirchenglocken befinden. Es wird ferner vermerkt, dass ein neuer
Nikolaus - Altar angeschafft worden ist.
Im Jahr 1674 heißt
es, die Niokolaus - Kirche sei restauriert worden. Es gibt nun
noch eine SteinKanzel , im Friedhof befindet sich ein Beinhaus (Karner).
Schließlich heißt es, dass sich im Holzturm zwar keine Glocken
befinden, aber im Dorf hängt eine Glocke auf einem Holzgestell
(Campanile ). Das lässt darauf schließen, dass sich die Kirche
vom Dorf entfernt befindet.
Offenbar steht sie
in der Nähe des Schlosses. Denn als im Jahr 1790 bei einem
Großbrand das Schloss schwersten Schaden erlitt, heißt es in
einem zeitgenössischen Bericht, dass die Ortskirche, die "neben
dem herrschaftlichen Heustadel steht", ebenfalls abgebrannt ist.
(Die Schlosskirche blieb unversehrt).
Ob es sich um jene
Kirche handelt, deren Ruinen noch heute auf "der Rehbreiten" zu
sehen sind und die aus dem 13. Jahrhundert (nach Wolfgang Meyer)
stammen soll, ist nicht sicher. Es könnte sich eher um eine
Kirche mitten im heute noch existierenden, aber nicht mehr
benützten Friedhof handeln, von der heute nichts mehr zu sehen
ist.
Bald nach dem Brand
(1790) dürfte die heutige Dorf - und Pfarrkirche entstanden
sein, die allerdings dem hl. Erzengel Michael geweiht ist.
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass schon im
Visitationsbericht des Jahres 1697 von einer Michaels - Kirche
in Landsee (die früheren Berichte sprechen immer von einer
Nikolaus - Kirche) die Rede ist. Sie liegt "in monte ante arcem"
(am Berg vor dem Schloss), was darauf schließen lässt, dass sie
im alten Friedhof gestanden ist, der ganz in der Nähe der
Burgruine liegt.
Die heutige Pfarre
Landsee ist eine Gründung aus Josefinischer Zeit (1788).
Allerdings war Landsee zunächst nur eine Kaplanei, die von
Ordensleuten aus aufgehobenen Klöstern geleitet wurde. Erst im
Jahr 1805 ist Landsee eine selbstständige Pfarre geworden. Heute
besteht der Pfarrverband Neutal - Markt St. Martin - Landsee.

Die vor 1800
errichtete Pfarrkirche wurde im Jahr 1897 bei einem Brand arg
beschädigt. Ein Umbau erfolgte 1909, eine Restaurierung im Jahr
1954. Den Hochaltar ziert ein breiter, klassizistischer
Tabernakel, im Aufsatz befindet sich eine Nachbildung der
Mariazeller Muttergottes. Die Kanzel stammt aus dem aufgehobenen
Paulinerkloster von Wandorf, ein Sakristeischrank aus dem
Landseer Kamaldulenserkloster. Bemerkenswert sind die
Kreuzwegbilder aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Im Jahr 1701 wurde
von der Gattin des Fürsten Paul Esterházy, einer geborenen
Tököly, für 12 Ordensleute der Kamaldulenser ein Kloster
gegründet. Neben verschiedenen Naturalien , die den
Einsiedlermönchen von der fürstlichen Verwaltung zur Verfügung
gestellt wurden (Brennholz, Weizen, Korn, Wein), lebten die
Mönche des beschaulichen Ordens vom Ertrag des Stiftungskapitals
(15 000 Gulden) und von Messestiftungen, die dem Orden reichlich
zuflossen. Im Zuge der Josefinischen Klosteraufhebungen
fand auch dieses Kloster ein Ende (1782).
Gespräch mit Ortspfarrer Mag.
Werner Klawatsch:
Dechant Geistlicher
Rat Mag. Werner Klawatsch ist Pfarrer von Neutal (seit 1965),
Markt St. Martin (seit 1972) und Landsee (seit 1986), Dechant
seit 1989; seit 1980 wohnt er im Pfarrhaus in Markt St. Martin.
Die Anzahl der Katholiken des Pfarrverbandes Neutal - Markt St.
Martin - Landsee beträgt 2176. In Landsee sind es 292. Andere
Bekentnisse gibt es 11 in Landsee, ohne Bekenntnis etwa 5 - 7.
Am Zählsonntag des Jahres 2002 haben insgesamt 165 Katholiken
den Gottesdienst mitgefeiert. Am Zählsonntag 2005 waren es 101.
Eucharistie hält
Pfarrer Klawatsch in Landsee jeden Sonntag um 9 Uhr, jeden
Mittwoch um 7.30 Uhr (da kommen besonders viele) und jeden
Freitag - Abend (abwechselnd mit den anderen Pfarren, aber
einmal monatlich) um 19 Uhr, im Winter um 18 Uhr. Sehr froh ist
Ortspfarrer Klawatsch über die seelsorgliche Mithilfe dabei
durch den aus Landsee stammenden und seit seiner Pensionierung
wieder dort lebenden früheren Pastoralamtsdirektor und
Propstpfarrer von Eisenstadt Prälat Johann Bauer. Das ganze Jahr
über wird jeden Freitag in der dem heiligen Michael geweihten
Kirche Landsee der Rosenkranz gebetet.
Lobend äußert sich
der Pfarrer über den Pfarrgemeinderat, der sehr engagiert
mitarbeite. Ebenso ist er glücklich über 7 Ministranten (5
Mädchen und 2 Buben), das Engagement der 4 Kommunionhelfer sowie
4 Lektoren und 4 Lektorinnen. Die Männer der Pfarre nehmen gerne
an regionalen Veranstaltungen teil. Die Frauen organisieren die
"Fastensuppe" zugunsten der Länder der "Dritten Welt".
Wichtiger Termin
ist der Kirtag am Tag des Kirchenpatrons, des hl. Michael, der
von der Jugend mit rhythmischer Messe gestaltet wird. Den
"Familienmessen", ca. 1 x im Monat , misst Pfarrer
Klawatsch besondere Bedeutung bei, weil er Generationen vereint.
Die Bewohner von Blumau (kirchlich eine Filiale von Landsee,
politisch zu St. Martin gehörend) kommen gerne zu den
Gottesdiensten nach Landsee. Blumau hat ein kleines Matthäus -
Kirchlein, wo Pfarrer Klawatsch 2 x im Jahr Gottesdienst hält
(FF Fest, Pferdesegnung).
Osterfeuer (wieder
mit der Jugend), Pfarrkaffee, Pfarrheuriger, Scheunenfest im
Pfarrgarten, Herbergsuchen, Adventfenster, Erntedank mit Festzug
in die Kirche - das sind Ereignisse im Kirchenjahr.
Die Kirche in
Landsee wurde 1998/99 innen komplett renoviert; restauriert
wurden die vielen kostbaren Statuen sowie die Kanzel (alles aus
dem 18. Jh.). Erneuert wurde die Kreuzkapelle und im Jahre 2001
wurde die Orgel der Landseer Kirche restauriert. 2004 wude das
Dach der Pfarrscheune und die Kapelle Blumau erneuert.
Als Schwerpunkt
seiner Arbeit als Seelsorger sieht Dechant Klawatsch die
Förderung der Gemeinschaft in der Pfarre, die Begegnung von Jung
und Alt und somit die Stärkung der vom Glauben geprägten
Gemeinschaft der Christen. Zur politischen Gemeinde bestehe ein
gutes Verhältnis, unterstreicht der engagierte und auch
reisefreudige Ortspfarrer.
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